Fisch vom Grill und ein Weihnachtsbaum aus Strandgut

Weihnachten ist die beste Gelegenheit, um zurückzublicken, die vergangenen 12 Monate Revue passieren zu lassen. In unserem Interview blickt Nicole Krieger nicht nur ins Jahr 2021 zurück. Sie nimmt uns außerdem mit in ihre Kindheit in Sachsen-Anhalt, in ihr Universum als junge Moderatorin und plaudert über die verrücktesten Moderationen, die sie in ihrer Karriere je gemacht hat. Wer sie sonst nur als Trainerin, Moderatorin oder aus ihren Youtube-Videos kennt, entdeckt in diesem Gespräch auch die private Seite der Unternehmerin.

Pamela Grether, Newsletter-Redaktion: Ob online oder in Präsenz: Welchen Tipp gibst du den Chefinnen und Chefs aktuell für ihre Weihnachtsansprache?

Nicole Krieger: Die Weihnachtsansprache sollte auf jeden Fall witzig sein und auf die Highlights des Jahres zurückblicken. Kritik ist hier fehl am Platz. Sie sollte wertschätzend sein und Dankbarkeit zeigen für diejenigen, für die man sie hält.

PG: Vor Corona haben du und deine Familie die Weihnachtsfeiertage in Spanien an der Costa Brava verbracht. Habt ihr irgendein spanisches Weihnachtsritual übernommen?

NK: In Spanien wird ganz anders Weihnachten gefeiert als bei uns. Dort ist der wichtigste Feiertag in der Weihnachtszeit der Día de los Reyes Magos, also Heilige Drei Könige. In vielen Städten sind sie auf Wägen oder Kutschen unterwegs und werfen von dort Süßigkeiten für die Kinder. Auch die Weihnachtsgeschenke gibt es dort erst an diesem Tag. Wir als Familie beschenken uns aber schon an Heiligabend und haben unser deutsches Weihnachten mit im Gepäck: Wir schmücken jedes Jahr vor Ort einen Baum. Das muss kein klassischer Tannenbaum sein, das kann auch ein selbstgebauter Strandgutbaum sein oder eine Palme. Wir lieben es einfach, in den Weihnachtstagen die Sonne zu genießen und das triste Wetter in Deutschland für ein paar Tage hinter uns zu lassen.

PG: Was esst ihr traditionellerweise an Weihnachten?

NK: Wir probieren immer wieder mal was Neues. Letztes Jahr haben wir Käse-Fondue gemacht – ehrlich gesagt überhaupt nicht mein Geschmack! In Spanien gehen wir meistens in die Markthalle und holen uns einen fangfrischen Fisch, den wir im Garten auf den Grill legen, bisschen Gemüse dazu – sehr lecker!

PG: Von welchem Moderationserlebnis wirst du noch deinen Enkeln unterm Weihnachtsbaum erzählen?

NK: Es gab in meiner Karriere einige besondere Moderationserlebnisse. Eines davon war 2005 in Moskau für einen großen Konzern. Schon der Flug dorthin mit einer klapprigen Iljuschin war eine Katastrophe. Vor Ort in dem 5-Sterne-Hotel herrschte ein Chaos sondergleichen! Man muss wissen: Die Russen sind nicht gerade Organisationsweltmeister, wenn man von deutschen Standards ausgeht. Das komplette Programm der Veranstaltung war umgeworfen worden. Ich musste davor die halbe Nacht durcharbeiten, um meine russisch-englische Moderation anzupassen. Den Besuch im renommierten Bolschoi Theater habe ich dadurch verpasst. Für mich als Ballett-Fan sehr, sehr schade.
Eine weitere Moderation werde ich auch nie vergessen: Im Winter 2010 habe ich die Einweihung der Anlandestation der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 moderiert. Die Pipeline selbst gab es damals ja noch nicht. Das war ein Festakt mit politischen Gästen und Medienvertretern. Es war bitterkalt, die Ostsee war zugefroren. Man hatte zwar ein Zelt für die Veranstaltung aufgebaut. Doch ich musste die Gäste erst einmal vorab übers Gelände führen und hatte dabei nur einen Businessanzug an. Das war auf jeden Fall die kälteste Moderation, die ich je gemacht habe.

PG: Nochmal zurück nach Moskau: Das heißt, du sprichst so gut Russisch, dass du darin moderieren kannst?

NK: In der Schule konnte ich fließend Russisch. Ich hatte in der DDR ja nur Russisch als Fremdsprache. Englisch habe ich erst nach der Schule in Kanada gelernt. Als ich junge Moderatorin war, gab es unter den Profis nur zwei, drei Moderatorinnen in Deutschland, die Russisch, Englisch und Deutsch sprachen. So landeten die meisten Anfragen in dieser Sprach-Kombination bei mir auf dem Tisch. Weil mein Russisch da schon nicht mehr so gut war, habe ich sogar einen Monat in St. Petersburg verbracht, um meine Sprachkenntnisse aufzufrischen. In Karlsruhe hatte ich zusätzlich eine Russisch-Dozentin, die mich für jede einzelne Moderation fit gemacht hat. Man muss dazu sagen, dass ich auf Russisch nur mit festem Text moderiert habe. Ich predige in meinen Seminaren ja immer: „Sprecht unbedingt frei!“ Das funktioniert aber meistens nur in der Muttersprache.

PG: Du bist in Sachsen-Anhalt geboren und aufgewachsen. Bei welchen deiner Eigenschaften würdest du sagen „Das ist typisch für die Anhaltiner?“

NK: Typisch für die Sachsen-Anhaltiner ist vermutlich, dass sie sehr offen und authentisch sind. Die geben sich so, wie sie sind. Ich denke, das tue ich auch.

PG: Was fällt dir ein, wenn du an das Weihnachten deiner Kindheit denkst?

NK: Da denke ich als erstes an den Tannenbaum mit den sorgsam gehüteten Glaskugeln. Die waren handbemalt, teuer und damit sehr wertvoll! Die durften keinesfalls kaputt gehen. Außerdem denke ich natürlich an den Weihnachtsteller mit Schokolade. Bei uns in der DDR gab es im Alltag kaum Süßigkeiten. Weihnachten war einer der wenigen Anlässe, an dem es Süßigkeiten in größeren Mengen gab. Im wahrsten Sinne ein Fest für uns Kinder.

PG: Wie warst du als Kind? Beschreibe dich mal in drei Eigenschaften.

NK: Ich war als Kind sehr neugierig, lebendig und eigenständig.

PG: Was ganz Wenige von dir wissen: Direkt nach der Schule, noch vor deiner Ausbildung zur Fernsehjournalistin und Moderatorin, hast du eine erste Ausbildung zur Pferdewirtin gemacht. Hast du damals in der Arbeit mit den Pferden irgendetwas gelernt, das dir für deinen heutigen Job als Moderatorin und Trainerin hilfreich ist?

NK: Die Ausbildung hat ja nur 3 Jahre gedauert. Trotzdem können drei Jahre, gerade wenn du jung bist, ganz schön prägend sein. In dieser Zeit habe ich vor allem eins gelernt: Fleißig zu sein! Und durchhalten zu können, Verantwortung zu übernehmen. Das hat mich sicher sehr geprägt, auch für meine spätere Arbeit als Journalistin und für meine jetzige Aufgabe als Leiterin der Moderatorenschule Baden-Württemberg. Ich schätze mich selbst als einen Menschen mit sehr hohem Verantwortungsbewusstsein ein. Diese Lehrjahre hatten darauf bestimmt einen Einfluss. Wenn du für ein Lebewesen verantwortlich bist, dann bist du einfach verantwortlich. Punkt.

PG: Wen hättest du dir als junge Moderatorin an deiner Seite gewünscht?

NK: Ich habe im Laufe meiner Karriere gute Lehrmeister gefunden, von denen ich lernen durfte. Einer der ersten war Michael Rossié, der heute genialerweise auch als Trainer für die Moderatorenschule arbeitet. Ein weiterer ist Friedemann Schulz von Thun. Ich habe meine Weiterbildung zur Trainerin bei ihm gemacht. Er ist ein großes Vorbild für mich, nicht nur als der große Kommunikationpsychologe, sondern auch als Trainer und Mensch. Ihn hätte ich gerne schon früher, als junge Moderatorin getroffen. Er hat mir eine Welt eröffnet, für die ich zutiefst dankbar bin: die Fähigkeit, mich und andere besser zu verstehen und gut kommunizieren zu können.
Aber ich hätte mir damals auch eine erfahrene Moderatorin an meiner Seite gewünscht, die mir mal einen guten Tipp gibt. Aber das gab es damals nicht. Jeder behielt sein Wissen für sich. Die Erfolgreichen wollten sich keine junge Konkurrenz ranziehen. Mit der Moderatorenschule habe ich genau das verändert. Wir teilen Wissen. Wir sagen den jungen Moderator*innen, wie das Geschäft funktioniert. Und vor allem freuen wir uns über ihre Erfolge.

PG: Was müssen Nachwuchsmoderatoren mitbringen, um erfolgreich zu sein?

NK: Es gibt 2 Dinge, die du mitbringen musst, um eine gute Moderatorin zu werden: Du musst Lust haben, Gäste zu haben, dich mit Menschen zu befassen und Geschichten zu erzählen. Das reicht aber nicht. Zusätzlich brauchst du Fleiß! Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von harter Arbeit. Auch ich habe viele, viele Jahre hart gearbeitet.
Übrigens habe ich kürzlich auch ein YouTube-Video zu der Frage gemacht, was einen guten Moderator ausmacht. Und für alle, die gerne als Profis ins Moderationsbusiness einsteigen möchten, teile ich gern mein Wissen und meine Erfahrung in meinem Videokurs „Auf dem Weg zum Top-Moderator“.

PG: Vor 11 Jahren hast du die Moderatorenschule Baden-Württemberg gegründet. Was waren in all diesen Jahren die größten Herausforderungen für dich als Unternehmerin?

NK: Die Corona-Krise und die damit verbundene Digitalisierung unserer Weiterbildungsangebote war eine unglaublich große Herausforderung für uns. Wir haben innerhalb von wenigen Monaten unser Seminarangebot digitalisiert, wir haben Online-Trainings auf den Markt gebracht und E-Learnings entwickelt. Unser Online-Training „Sprechen vor der Kamera“ wurde zum absoluten Bestseller. Wir haben neue Fähigkeiten entwickelt und technisch aufgerüstet. Selbst ich als Fernsehmoderatorin durfte dafür noch einiges lernen, die ganzen technischen Raffinessen der Videokonferenzprogramme zum Beispiel. Ich habe doppelt soviel gearbeitet wie in den Jahren zuvor. Trotzdem haben wir durch die Krise auch viel gewonnen. Was für eine fabelhafte Möglichkeit, dass Menschen von irgendwo aus der Welt bei uns Seminare besuchen können, ohne nach Karlsruhe zu fahren. Kürzlich haben wir Führungskräfte aus den USA für eine Moderation trainiert. Das ist doch eine tolle Errungenschaft!

PG: Was siehst du als Zukunftstrend im Bereich Reden, Präsentieren, Moderieren?

NK: Ein wichtiger Zukunftstrend ist nach wie vor das Reden vor der Kamera. Nicht erst seit Corona! Ich habe bereits 2018 in meinem Thesenpapier zur Zukunft des Redens in der Süddeutschen Zeitung geschrieben, dass immer mehr Präsentationen und Moderationen vor der Kamera stattfinden werden. Die Videonutzung im Netz liegt schon heute bei 82 Prozent. Und sie wird weiter zunehmen. Da hat es natürlich eine Bedeutung, ob du in deiner beruflichen Rolle professionell vor der Kamera sprechen kannst oder nicht. Ich glaube sogar, dass das Sprechen vor der Kamera DIE hard skill der Zukunft sein wird. Wer morgen als Fach- und Führungskraft erfolgreich sein will, der ist gut beraten, sich heute fit für die Kamera zu machen.
Das Hybride wird meiner Meinung nach ein Zwischentrend sein. Es markiert den Übergang zwischen dem Jetzt und dem Zeitpunkt, bis Präsenzveranstaltungen wieder uneingeschränkt möglich sind. Eine Art pandemische Notlösung.

PG: Vielen Dank, Nicole, für das kurzweilige Gespräch.