Moderatorenschule Baden-Württemberg: Welche Ihrer vielen Veranstaltungen ist Ihnen aufgrund der Moderation besonders in Erinnerung geblieben? Mario M. Flaschentraeger: Das ist die Veranstaltung für die Deutsche Shell AG im Maritim Bonn, bei der wir einen sturzbetrunkenen Moderator hatten. Der kam schon zu spät zu dem Tagesbriefing vor der Road Show und sagte: „Ich bräuchte mal ’ne Cola“. Dann sah ich, wie er etwas in die Cola füllte und roch es natürlich auch relativ zügig. Jedenfalls für mich war das der Event schlechthin, bei dem mir die Moderation deshalb in Erinnerung geblieben ist, weil alles, was durch einen Moderator schief gehen konnte, schief gegangen ist. Falsche Namen, falsches Timing, falscher Moderationsleitfaden – kurzum: ein Desaster.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: Welche Ihrer vielen Veranstaltungen ist Ihnen aufgrund der Moderation besonders in Erinnerung geblieben?

Mario M. Flaschentraeger: Das ist die Veranstaltung für die Deutsche Shell AG im Maritim Bonn, bei der wir einen sturzbetrunkenen Moderator hatten. Der kam schon zu spät zu dem Tagesbriefing vor der Road Show und sagte: „Ich bräuchte mal ’ne Cola“. Dann sah ich, wie er etwas in die Cola füllte und roch es natürlich auch relativ zügig. Jedenfalls für mich war das der Event schlechthin, bei dem mir die Moderation deshalb in Erinnerung geblieben ist, weil alles, was durch einen Moderator schief gehen konnte, schief gegangen ist. Falsche Namen, falsches Timing, falscher Moderationsleitfaden … kurzum ein Desaster. Da stehst du nur noch anteilslos daneben und hoffst, dass sich irgendwie eine Erdspalte auftut, in der du dann versinken kannst. Also das war für mich im Grunde die Erfahrung schlechthin: Einen besoffenen Moderator auf der Bühne zu haben, und das für einen Premiumkunden in einer Top-Gala.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: Wenn Sie an das andere Ende Ihrer Zufriedenheitsskala schauen, wann sind Sie dann zufrieden mit einem Moderator?

Mario M. Flaschentraeger: Wenn alles so läuft, wie man es sich vorgenommen hat. Das ist im Grunde die Mehrheit aller Jobs, setzt aber voraus, dass das Casting stimmt, dass man ein gutes Briefing gegeben hat, dass man den Moderator gut führt, aber auch der Moderator selbst mitdenkt. Das ist eine ganz entscheidende Geschichte. Wenn der Moderator auf der Bühne ist, ist er irgendwann allein. Da kann ich in der Regie nicht mehr eingreifen. Dann ist der da vorne und muss die Situation stemmen. Wenn er das alles irgendwie beherzigt, also seine Fleißarbeit macht, aber auch die nötige eigenen Fähigkeiten mitbringt, dann ist alles „Tacko“.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: Welche Fähigkeiten sind das?

Mario M. Flaschentraeger: Das hängt ein bisschen davon ab, was für eine Art Event es ist. Also, ich hatte jetzt gerade beim Hessentag einen Moderator, der aus dem Radiobereich kommt. Der passte ganz hervorragend dafür. Er moderierte die Themen in einer relativ einfachen Art und Weise, so dass er dieses Publikum, das ja eher ein Laufpublikum ist, immer ganz gut erreicht hat. Das war eine Mischung aus Humor und Sprache, er hatte eine sehr angenehme Art zu sprechen, und es machte einfach  Spaß, ihm zuzuhören. Bei anderen Themen ist wichtiger, dass sich jemand in das Thema eingelesen hat und nicht nur plaudert.

Ein anderes Beispiel ist eine Veranstaltung bei einer Heidelberger Druckmaschinenfirma: Da brauchten wir einen Moderator mit einem gewissen Durchsetzungsvermögen, denn er hatte es hier mit einem eher hemdsärmeligen Klientel zu tun, damit muss er dann auch umgehen können. Ein „Püppchen“ wäre hier verkehrt gewesen. Wir brauchten jemand, der in irgendeiner Art und Weise auf Augenhöhe mit den Gästen kommunizieren konnte.

Es gibt für mein Dafürhalten keine Standardliste, die man abhaken kann, ein Moderator ist nur gut, wenn er das, das und das kann. Ich glaube, es gibt für jede Aufgabenstellung auch den passenden Moderator. Den zu finden, ist die Haupt-Herausforderung für mich als Eventmanager.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: Wie finden Sie den passenden Moderator?

Mario M. Flaschentraeger: Wenn ich jemanden sehe und der mir gefällt, kommt er in die Datenbank. Dazu schreibe ich mir ein, zwei Stichworte und dann weiß ich: Okay, der passt dazu gut, der passt dazu gut. Ansonsten arbeite ich auch mit Moderatorenagenturen, die natürlich auch eine eigene Expertise mitbringen, idealerweise eine, die auch belastbar ist. Es muss einfach stimmen, dass jemand drei Sprachen fließend sprechen kann, wenn man genau so jemanden sucht. Meist höre ich mir die Vorschläge der Agenturen an und kann aufgrund meiner Erfahrung schnell sagen: „Der passt dazu, die passt dazu“.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: Wie viel Mitspracherecht haben Sie bei einer Veranstaltung als Eventmanager, die Moderation zu besetzen?

Mario M. Flaschentraeger: Wird ein Moderator gewünscht, ist es in neun von zehn Fällen so, dass wir als Agentur einen Vorschlag machen. Es ist ganz selten, dass der Kunde sagt: „Wir haben da einen“.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: Aber immer mehr Unternehmen organisieren ihre Events selbst und gehen dann auch auf die Suche nach Moderatoren.

Mario M. Flaschentraeger: Ja, es stimmt. Das sind diese Kunden, die halt im Grunde im Baukastensystem sich alles zusammen googlen und mal gucken, was daraus wird. Das ist im Grunde ein Trend, von dem ich aber nicht viel halte. Es ist eben nicht eine Frage des Zusammengooglens. Die Dinge müssen ja ineinander greifen. Es ist nicht damit getan, den Moderator nur zu beauftragen, sondern er muss auch fest eingebettet sein. Sowohl organisatorisch als auch inhaltlich.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: Wie briefen Sie einen Moderator inhaltlich?

Mario M. Flaschentraeger: Wir liefern Textraster. Aber wir sagen grundsätzlich allen, wir geben nur ’ne Guide Line. Uns geht es darum, das hast du in diesem Moderationsblock zu sagen. Wie du da hin kommst, ist eigentlich fast egal. Es geht ja darum, dass die Veranstaltung etwas sehr Lebendiges ist. Es muss auch immer ein Freiraum für den Moderator da sein, Dinge individuell aufzugreifen und nicht zu sagen: „Also ich muss jetzt meinen Text hier weiter abarbeiten“. Das macht ja gar keinen Sinn.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: Oft wünschen sich Unternehmen Moderatoren mit Fernsehpräsenz. Sind Fernsehmoderatoren auf der Bühne ihr Geld wert?

Mario M. Flaschentraeger: Manche ja, manche nicht. Ich habe mit Ingo Nommsen ein paar Mal den Green-Tech-Award gemacht. Das war zum Beispiel jemand, der war jeden Cent wert. Obwohl ich ihn selbst eher aus dem Bereich Boulevard kannte, hat er dieses Format hervorragend geführt, weil er beispielsweise imstande ist, sich selber zurück zu nehmen und nicht auf seiner Person herumreitet, sondern tatsächlich imstande ist, mit einer guten Vorbereitung einen Inhalt zu präsentieren. Da gibt’s andere, die können das deutlich weniger. Denn Bühne ist schon etwas anderes als Fernsehen. Live-Veranstaltungen zu moderieren, ist anspruchsvoll. Das muss wirklich gelernt sein.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: Was sind die schlimmsten Fehler, die ein Moderator machen kann?

Mario M. Flaschentraeger: Ein Selbstdarsteller sein. Ein Branchen Running Gag ist, dass du einen Moderator hast, der sich über alles hinweg setzt, was eigentlich gewünscht ist und im Grunde seine Solo-Performance macht und dabei natürlich auch völlig am Leitfaden vorbei geht. Es gibt ja die berühmte Moderation eines bekannten Talkmasters für die Commerzbank, der zur Begrüßung sagte: „Willkommen bei der Deutschen Bank“. Größer konnte der Fauxpas natürlich kaum sein, mit de facto 50.000 Leuten in der Commerzbank Arena. Das hat, schlicht und ergreifend, etwas damit zu tun, dass jemand nicht diszipliniert seine Aufgaben macht.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: … was natürlich sehr unprofessionell ist.

Mario M. Flaschentraeger: Genau, aber manche Kunden möchten einen „Namen“ haben, um sich selbst darin zu sonnen. Das geht oft daneben, weil du hast dann dem Moderator für seine Selbstdarstellung einen riesigen Raum gegeben, aber der eigentliche Auftraggeber bleibt dabei gerne auf der Strecke. Der Kunde muss wissen, was er will. Will man den Promi-Faktor haben, dann tritt der Content meistens in den Hintergrund. Oder ist dir der Content wichtig, dann suchst du dir einen, der vielleicht eher aus dem journalistischen Bereich kommt. Jemand, der gewohnt ist, investigativ oder halt eben mit Vorbereitung an so eine Sache heran zu gehen.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: Worauf sollte Ihrer Meinung nach ein Veranstalter achten, der seine eigene Veranstaltung moderiert?

Mario M. Flaschentraeger: Ich glaube, Billy Wilder sagte: „Du sollst eben gucken, dass du dein Publikum nicht langweilst“. Das gilt natürlich nicht nur für die eigene Moderation, das gilt für jeden Moderator. Der entscheidende Punkt ist, dass er die Aufgabe, die er annimmt, halt eben auch tatsächlich adäquat erfüllt. Und das ist genau der Punkt – Selbstbild/Fremdbild – kann er das tatsächlich, diese Rolle annehmen, oder schadet er sich am Ende mehr, als er damit erreichen kann. Ich habe Kunden moderieren sehen, die waren hervorragend und bei anderen bist du vom Sitz gerutscht und hast gehofft: „Hoffentlich ist das gleich vorbei!“, weil sie es einfach nicht können.

Moderatorenschule Baden-Württemberg: Ohne Moderatoren wären Events…?

Mario M. Flaschentraeger: …bisweilen ziemlich strukturlos. Da würde etwas fehlen. Ein guter Moderator ist, für sich gesehen, extrem wichtig, ohne dass er die Hauptrolle übernimmt. Er hat diese Hauptrolle, aber er spielt sich nie in den Vordergrund, sondern er ist einfach präsent durch das, was er tut.

Info Mario M. Flaschentraeger

Der Eventmanager hat sein Handwerk im Kulturdezernat der Stadt Frankfurt erlernt und war später unter anderem auch langjähriger Mitarbeiter der internationalen Werbeagentur Ogilvy & Mather. 1989 gründete er seine eigene Veranstaltungsagentur und organisierte seither über 2.000 Veranstaltungen im In- und Ausland. Zu seinen Kunden zählen die namhaften Player der Automobilbranche, Verlage sowie Unternehmen aus der Finanzbranche.

www.flaschentraeger.com / www.commpany.com

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